Vitamin B3 – das wichtigste B-Vitamin?

Dieses überaus interessante Vitamin hat vielfältige Eigenschaften, die bis heute nicht vollständig verstanden sind.
Niacin verursacht einen Flush, transportiert damit Wärmeenergie und wirkt cholesterinsenkend sowie antipsychotisch und antidepressiv; Niacinamid hat ebenfalls antidepressive Eigenschaften, kann gegen Arthritis gute Dienste leisten und NADH wird bei Parkinson und ähnlichen Erkrankungen eingesetzt. Weitere Therapieoptionen sind wenig bekannt.
In Büchern finden sich auch Angaben wie ‚Tryptophan kann bei der Synthese im menschlichen Körper helfen‘.
Ja, das mag sein, Aber Tryptophan wandelt sich nicht von selbst im Körper zu Niacin um, sondern braucht dafür weitere B-Vitamine.
Der Zusammenhang ist beim Blick in die Biochemie etwas klarer: Tryptophan liefert Ausgangsmaterial für Niacin, nachfolgend Niacinamid, NAD+ und dann NADH.
Tryptophan ist aber auch Ausgangsstoff für Serotonin und Melatonin und damit bei Niacinmangel Mangelware, was entzündungsfördernde Prozesse nach sich zieht, wenn Enzyme wie IDO (Indolamin-2,3-dioxygenase) ungenügend arbeiten. Auch genetische Schalterfunktionen wurden in diesem Zusammenhang beschrieben.

Die Berichte von Dr. Hoffer zum Thema ‚orthomolekulare Psychiatrie‘ klingen beinahe unglaublich, sind aber nachvollziehbar für alle diejenigen, die schon einmal Niacin in größeren Mengen eingenommen haben.
Wer die Geschichte der Vitamine allgemein verfolgt, wird feststellen, dass die meisten Vitamine in den 1930er Jahren bis kurz nach dem zweiten Weltkrieg entdeckt und in größerem Umfang produziert und eingesetzt wurden – ein denkwürdiges Detail.
Das hat wohl auch eine politische Dimension, die nicht zu unterschätzen ist und gerade vor dem Hintergrund synthetischer Arzneimittel und Impfstoffe (die im Gegensatz zu Vitaminen patentierbar sind!) Auswirkungen bis zum heutigen Tag.
Warum sind diese Zusammenhänge so wenig bekannt – und warum ist gerade Niacin so wenig bekannt? Warum gibt es – interessanterweise bis vor einigen Jahren – keine weiteren Publikationen und/oder Studien dazu?

Ein Blick auf die Fakten:
1. B3 ist das Vitamin, von dem wir im Vergleich mit anderen B-Vitaminen am meisten brauchen.
2. B3 als Niacin ist das kleinste Vitamin der B-Vitamine.
3. B3 ist ein sehr stabiles Vitamin, das sogar Kochen übersteht.
4. B3 ist Vorstufe der Nukleobase NADH bzw. des Redoxsystems NADH/NAD+ und damit direkte Vorstufe der Erbsubstanz DNA/RNA.
5. B3 hat direkten Einfluss auf unseren Energiestoffwechsel in der Leber, auf die Darmgesundheit, und auf unser Hormonsystem.
6. B3 interagiert mit Tryptophan und hat damit indirekt Einfluss auf Serotonin und Melatonin.
7. B3 verursacht einen subkutanen Flush, dessen Wirkung bis heute nicht komplett verstanden/beschrieben werden konnte.

Vor allem der letzte Punkt hindert viele daran, Niacin einzunehmen.
Was ist an diesem Flush so besonders – Niacin ist das einzige Vitamin mit dieser Fähigkeit?
Warum ist deswegen – oder trotz dieser Erkenntnis – so wenig dazu geforscht worden?

Niacin ist das Pellagra-verhindernde Vitamin.
Man hat tatsächlich zeigen können, dass Pellagra (Depression-Dementia-Dermatitis-Death oder Diarrhoe, Dermatitis, Depression, Demenz) schwere psychiatrische Probleme mit sich bringt, die symptomatisch einer Schizophrenie ähneln.
Auch depressive Episoden sowie AD(H)S-Symptomenkomplexe sprechen wie gesagt gut auf Niacin und Niacinamid an.
Empirisch gesehen ist Niacin das beste cholesterinsenkende orthomolekulare Teilchen – auch im Vergleich mit Statinen (gleichwohl kann es sogar zusammen mit diesen angewendet werden).
Und es hat bei richtiger Dosierung auch keine Lebertoxizität. Das wäre im Übrigen auch testbar, indem man vor einer Blutuntersuchung einige Tage Niacin absetzt: wenn es lebertoxisch wäre, müssten die Leberwerte erhöht bleiben (was sie statistisch gesehen nicht tun). Niacin steigert die Lebertätigkeit; dies führt zu ‚physiologisch‘ höheren Leberwerten, die aber nicht in allen Fällen und meist nur moderat ansteigen.
Auch weitere diskutierte Nebenwirkungen wie Blutdruckabfall, Erhöhung des Harnsäurespiegels, des Homocysteinspiegels und Risiko für Geschwüre im Verdauungstrakt sind für mein Verständnis nicht eindeutig auf Niacin zurückzuführen bzw. sind möglicherweise auch das Resultat einer Minderversorgung mit anderen B-Vitaminen im Zuge einer Hochdosistherapie.
Hier besteht enormer Forschungs- und Erklärungsbedarf zur Abklärung der Ursachen, was insbesondere eine sogenannte Erstverschlimmerung anbelangt. Es macht keinen Sinn, jemanden mit Megadosierungen zu behandeln, wenn eine Allergie vorliegt bzw. schwarze Autoimmunerkrankungen dem entgegenstehen. In der verlinkten Literatur ist das auch von Roger Williams beschrieben, der eine biochemische Individualität propagiert, die auch von Linus Pauling sehr eindrücklich beschrieben wurde.
Allen diesen kritischen Fragen setze ich eine 50 jährige Expertise mehrerer Experten zum Thema entgegen.
Wer hat wirklich recht?

Viele Vitamine haben dosisabhängige Wirkungen und sichere Dosisbreiten, so auch Niacin.
Dr. Hoffer behandelte schizophrene Patienten über 50 Jahre lang meist erfolgreich und konnte viele von ihnen heilen – mit Megadosierungen von bis zu 3 Gramm Niacin auf viele Einzeldosierungen verteilt. Eine gleichzeitige Einnahme von Ascorbinsäure kann den Flush mildern (es gibt weitere Möglichkeiten, auf die ich vielleicht in einem weiteren Beitrag eingehen werde).
Selbst orthomolekulare Empfehlungen zur Prävention weisen bis zu 750 mg pro Tag aus (zB. Allen); demgegenüber stehen 18 mg nach DGE-Empfehlungen. Diese 750 mg sind bei Pauling allerdings auf Niacinamid bezogen.
Man scheint also den Flush regelrecht zu fürchten; auch deshalb wird in vielen Nahrungsergänzungen meist auf Niacinamid ausgewichen. Dieses scheint eine Sicherheit eingebaut zu haben: übermäßiger Konsum verursacht Übelkeit und bei anhaltender Einnahme Erbrechen.
Der Einsatz von Niacinamid nimmt Patienten aber eine cholesterinsenkende Eigenschaft, so dass der Forschungsfokus darauf liegen sollte, den Flush möglichst zu minimieren, gleichzeitig aber alle Vorteile von Niacin zu nutzen. Ein Drahtseilakt.

Wie setzt man Niacin nun richtig ein?
Lässt sich die Wirkung des Flushs abmildern?
Ja, das geht. Auch ganz ohne zusätzliche Maßnahmen.
Dazu empfiehlt Hoffer eine einschleichende Dosierung idealerweise zu bzw. direkt nach den Mahlzeiten, die nach wiederholter Einnahme kleinerer Portionen den Flush weniger werden bzw. erst gar nicht auftreten lässt.
Das hängt mit der vergleichsweise kurzen Halbwertszeit zusammen.
Therapeutische Dosierungen lagen meist bei 3000 mg verteilt auf drei oder mehr Portionen täglich (bei entsprechend schweren Indikationen). Gleichzeitig wurden ähnliche bis gleiche Mengen Vitamin C verabreicht.
Wer sich mit den Wirkungen von Vitamin C etwas auskennt, wird die wirklich gute Synergie dieser Stoffe zu schätzen wissen.
Die Dauer der Behandlung erstreckte sich oft über Jahre, hatte aber dafür wirklich durchschlagende Effekte bei Schizophrenie, Pellagra und Arthritis. Auch bei AD(H)S konnten unerwartete Erfolge verzeichnet werden.
Wegen der Synergie empfiehlt sich wie immer bei Hochdosen einzelner Vitamine auch ein entsprechend dosierter B-Komplex, vor allem der Vitamine B1, B2 und B6.

Fazit
Literatur und Wissen um Vitamine im allgemeinen und Vitamin B3 im speziellen lohnen sich immer und bringen erstaunliche Details zutage, die immer neue Fragen und Zusammenhänge aufwerfen. Nebenwirkungen und Toxizitäten sind dabei gering bis nicht vorhanden, sofern die Substanzen entsprechend eingesetzt werden.
Eine Dosis von 3 Gramm täglich lässt sich nur allmählich erreichen; dabei sollten Leberwerte kontrolliert werden und ggf. professionelle therapeutische Begleitung selbstverständlich gegeben sein.
Man sollte Niacin kennen, bevor man es einsetzt.

1. offizielle webseite von Dr. A.W. Saul  bzw: Dr. Sauls Eintrag zu Niacin
2. Übersicht über 42 Jahre Publikationen zum Thema Vitamin B3, C und Zusammenhängen
Aktuelle Übersicht der Einträge zu Niacin bei pubmed
3. Linus Pauling, Das Vitamin-Programm, Goldmann 1986.
4. Informationen zu Niacin bei Miracon Science GmbH bzw. Biogena
5. Niacin – The real story (A. Hoffer, A. W. Saul, W.B. Parsons), 2009.
6. U. Burgerstein, Handbuch Nährstoffe, Trias Verlag 2018.
7. Die Bedeutung von Vitaminen und Mineralien in der Psychiatrie

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