Silizium – Baustein des Lebens (1)

Die Erdkruste besteht zu ca. 75% aus Siliziumdioxid. Warum ist es dann so wichtig, gerade hier darüber zu schreiben?
Zunehmende Verarmung des Bodens aufgrund intensiver Landwirtschaft, Überdüngung und Pestizideinsatz und insgesamt damit weniger Humus sind einige der Gründe.

Als Element ist es in Elektro-, Energie- und Informationstechnologie-Anwendungen nicht mehr wegzudenken. Dazu gehört auch Nanotechnologie. Auch als Verbindung Siliziumdioxid SiO2 hat es Halbleitereigenschaften, die teilweise „den Takt
angeben“ – etwa in der Quarzuhr. SiO2 hat viele Eigenschaften, die wir ohne Nachdenken nutzen.
Aber für uns selbst und unsere Haut?
Eine Fülle von Feststoffen wird eingesetzt:
Kieselerde, Diatomeenerde, Kieselgur, Heilerde, Zeolith, Bentonit… aber auch Kieselsäure in Gelform.
Worin genau besteht der Unterschied zu organischem Silizium ‘pflanzlichen Ursprungs‘?
Brennnessel, Ackerschachtelhalm und Bambus sind Heilpflanzen, die äußerlich zum Beispiel als Tinkturen und innerlich als Tees eingesetzt werden – schon deutlich früher als noch bei Hildegard von Bingen. Hier wirkt der ganze Pflanzenauszug.
Was ist so Besonderes an der Kieselsäure – und was ist das entscheidend Wichtige?
SiO2 ist unlöslich und wird allenfalls in amorpher Form durch Mineralsäuren langsam und teilweise in Kieselsäure umgewandelt. Kieselsäure hat zwei zentrale Eigenschaften:
a) Eine enorme Wasserbindungskapazität – ein Gramm Kieselsäure bindet 300 Gramm Wasser
b) Eine riesige Oberfläche: 1 Gramm Kieselsäure hat eine Oberfläche von ca. 300 Quadratmetern.
Einige Begriffe sind verwirrend, gerade wenn es international wird. Deshalb eine kurze Tabelle:

Englisch                                 Deutsch
Silicon                                    Silizium
Silicone                                  Silikon
Silicic acid                              Kieselsäure
Organic                                  Bio (z.B. bei Lebensmitteln, gemeint ist natürlicher = naturnaher Anbau)
Organic chemistry                 Organische Chemie (Chemie des Kohlenstoffs – in den seltensten Fällen natürlich!)

Begriff                                  Erklärung
Zeolith                                  Oberbegriff für natürliche und synthetische Gesteinspulver mit bestimmten Strukturen und Zusammensetzungen (etwa 150 verschiedene)
Kieselgur                              Industriell verwendetes Bindemittel/Trockenmittel
Kieselgur                              Kieselerde, auch: Diatomeenerde (versteinerte Reste von Kieselalgen)
Silicagel                               Kieselgel (Trockenmittel z.B. in Brausetablettenröhrchen)
Silicea Gel                           Kieselsäure in löslicher „Gel“-form
Kolloidal                               „in der Schwebe“. Bezeichnet lösliche Schwebeteilchen mit ca. 1 Mikrometer (μm) bis 1 Nanometer (nm) Größe

Es gibt sicherlich noch mehr, aber das sind wichtige Details, die verstanden werden wollen. Im Folgenden möchte ich von Kieselsäure als Silizium sprechen und beziehe mich auf Literaturquellen, die in der Literaturliste (vor allem 1–3) genannt sind.
Kieselsäuren gibt es ebenfalls viele; das hängt mit dem Herstellungsprozess – in der Natur als auch im Labor – zusammen.
Viele Wissenschaftler nennen ca. 1,5 bis 2 Gramm als Gehalt im Körper; Siliziumforscher dagegen sind der Meinung, es seien ca. 7 Gramm. Das hat seine Ursache in der Abnahme im Körper mit zunehmendem Lebensalter: als Säugling haben
wir am meisten. Interessanterweise verlieren Frauen (andere Bindegewebsstruktur als Männer) ab ca. dem 35. Lebensjahr mehr Silizium als andere Stoffe im Vergleich (z.B. Calcium oder Schwefel), was sich unter anderem im Hautbild bemerkbar machen kann.
Aufgrund der zwei zentralen Eigenschaften – Wasserbindung und Oberfläche – lässt sich ein einfacher Zusammenhang herstellen: durch die Wasserspeicherung im Gewebe (und zwar in den Zellen, aber auch im Zellzwischenraum – dem sog.
Pischinger Raum) ermöglicht es einen besseren Stoffwechsel an Grenzflächen. Silizium ist zu 60% an Proteine, zu 30% an Fette gebunden und nur zu 10% frei verfügbar (etwa im Blut) – mag also zum Beispiel Lipoproteine.
Als Folge allein davon lassen sich viele Wirkungen ableiten, die unter (4a) und (4b) beschrieben sind – wobei „kolloidale“ Werkstoffe ein deutlich breiteres und effektiveres Wirkspektrum haben. Das hängt mit der Teilchengröße und mit der Oberfläche zusammen:
kleinere „kolloidale = schwebende“ Teilchen (in Wasser bzw. in entsprechender Verdünnung) haben eben eine größere Oberfläche/biochemische Reaktionsfläche und können sich auch schneller bewegen, da sie leichter sind und andere elektrische und Säure-Base-Eigenschaften haben.
Dabei ist zu unterscheiden ob die Strukturen reines Kollagen/Elastin bilden (reine Fasern, auch: Glykosaminoglykane
GAG = Mucopolysaccharide oder wenn weiter vernetzt Proteoglykane) oder ob es insgesamt um Bindegewebe geht (faserverbindende Strukturen: Wasser, kleine Proteine, Aminosäuren, Mineralien und vieles mehr). Wenn dieser „Kitt“, der
uns zusammenhält, durch Toxincluster (Metalle, Medikamenten- und Pestizidrückstände, Nanoplastik, Stoffwechselprodukte aufgrund z.B. unvollständiger Verbrennung von Zucker in den Mitochondrien der Zellen) blockiert ist, kann auch die Lymphe nicht funktionieren/abfließen: es kommt allmählich zum Lymphstau, zu Schmerzen und zu Symptomen an Haut und Schleimhaut, aber auch im Bindegewebe von Knochen, Knorpeln (Arthrose/Arthritis/Rheuma/Osteoporose), aber auch Atherosklerose und Herz-Kreislauferkrankungen, ja sogar Neuropathien und Fibromyalgie. Das erklärt auch einen engen Zusammenhang zwischen Rheuma und Hauterkrankungen.
Silizium bildet also sozusagen den Rahmen für einen gesunden Stoffwechsel (auch im Unterhautfettgewebe).
Hier sind weitere Verknüpfungen zur Kieselsäure:
neben dem Wasserhaushalt werden Lymphozyten und Makrophagenbildung angeregt, d.h. das Immunsystem
gestärkt.
Der Dünndarm ist direkt an das lymphatische System angeschlossen (z.B. Peyer’sche Plaques) und der Blinddarm, genauer der Appendix, ist der Ort der Symbioselenkung (Bakterienbesiedlung) des Dickdarms.

Hier wird es spannend, denn die Bakterienbesiedlung wird durch mehrere Prozesse gesteuert: die Ausbildung einer „gesunden“ Darmmukosa – also schützenden – Schleimschicht, in der sich durch Wechselwirkung mit dem enterischen Nervensystem/Nervus vagus, einer „elektrischen“ Peristaltik und bestimmten Darmbakterien (z.B. Lactobacillus
acidophilus, Bifidobacterium lactis, Enterococcus faecium), durch kontinuierlichen Weitertransport deutlich mehr Darmbakterien bilden werden, als wir Körperzellen haben (1,5 bis 2 kg). Dabei ist die Vielfalt der Stämme genau so entscheidend wie ein bestimmtes Gleichgewicht. Für all das brauchen wir einen entsprechenden pH-Wert und ein
bestimmtes Zellpotential (ca. -70 bis -100 mV) und genug Wasser, und zwar fortlaufend in Richtung, Geschwindigkeit der Verdauung/Darmpassage und auch in Abhängigkeit von der Zeit ortsabhängig. Das ist deswegen interessant, weil zum Beispiel die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) die Lunge dem Dickdarm zuordnet. Das bedeutet:
wenn wir ein Hautproblem haben – egal wo – ist auch eigentlich immer ein entsprechendes Areal der Schleimhaut mitbetroffen.
Silizium unterstützt all diese Eigenschaften – so ist nicht verwunderlich, dass zum Beispiel ein Silicea Balsam (Beobachtungsstudie im Buch unter (2) sowie eine weitere unter (5) die dort explizit beschriebenen Wirkungen
hat, die sich allgemein auch auf andere Siliziumprodukte übertragen lassen: schützend auf Schleimhäute
und Bindegewebsstrukturen/ Grenzflächen/Membranen, vor allem des Magens, des Darms, der Lymphe und ableitenden Harnwege, Gefäße (Arterien und Venen), des Knorpels, Knochens, der Lunge, Gelenke, des Immunsystems, ja sogar des
Gehirns… und der Haut/Haare/Nägel. Damit werden sehr viele der Anwendungsgebiete, die unter (4) beschrieben sind, erklärbar.

Literatur (Auswahl):

  1. Klaus Kaufmann: Silica – the forgotten Nutrient, 2. Auflage, Alive books, 1993 (ISBN 0-920470-25-4)
  2. Klaus Kaufmann: Silizium – Heilung durch Ursubstanz, Helfer Verlag E. Schwabe GmbH, 1997 (ISBN 3-87323-049-6).
  3. Voronkov M. G. G. I. Zelchan und E. Lukevitz, Silizium und Leben; Biochemie, Toxikologie und Pharmakologie der Verbindungen des Siliziums, Berlin, Akademie Verlag (1975).
  4. a) https://natursubstanzen.com/images/Informationsblatter/Naturprodukte/infoblatt_silizium.pdf
  5. b) https://natursubstanzen.com/images/Informationsblatter/Kolloide/silizium.pdf
  6. Peter C. Dartsch, Dartsch Scientific GmbH, Evaluation of beneficial health effects of Sikapur® Kieselsäure-Gel on cultured connective tissue fibroblasts. In: Innovations in Food Technology | February 2009, S. 62-64.

    Veröffentlichung dieses Artikels erfolgte im Magazin Bundesverband Neurodermitis e.V. Umwelt • Haut • Allergie, Ausgabe 85

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