Calcium – ein Mineral mit sieben Siegeln?
Die äußerst komplexe Natur des Calciums bewegt mich dazu, eine kurze Übersicht der Fakten zu schreiben. Als Update sozusagen.
Stand: 11/2025.
Das ist auch dringend erforderlich, denn: es wird hier zu viel Irreführendes verbreitet.
Einige bekannte Dinge vorab:
Ca ist mit 1000 g+ im Körper das häufigste Mineral
Ca kommt vor allem in den Knochen vor, ist aber in jeder Zelle des Körpers vorhanden und erfüllt dort seine Funktion – etwa in der Muskelkontraktion
Ca ist sehr feinreguliert und direkt mit Hormonen wie Parathormon, Calcitonin und Calcitriol verbunden
Ca ist oftmals fehlverteilt und gerade im Alter zunehmend in Gefäßen und weniger in Knochen zu finden
Ca benötigt Transporteure bzw. ist von diesen abhängig, wenn es im Körper so verteilt werden soll wie geplant
Ca spielt wichtige Rollen im Säure-Basen-Haushalt, weil es sehr basisch reagiert (Salze bestehen oft aus schwachen/schwächeren Säuren und dem sehr stark basisch reagierenden Ca2+ wie Ca-carbonat, Ca-ascorbat usw.); dabei sind viele Verbindungen schwer löslich
Der Ca-Stoffwechsel ist eng mit dem des Phosphats un dem der Hydrogenphosphate verbunden
Viele Metalle sind Ca-Antagonisten
Ca spielt eine sehr wichtige Rolle in der Aufrechterhaltung gesunder Zellpotentiale – dabei ist eine ‚richtige‘ Verteilung unerlässlich
Diese wenigen Punkte lassen erahnen, wie wichtig Calcium tatsächlich ist.
Dazu kommen noch mehrere Details:
1. seit der Publikation von Veugelers et al. 2014/2015 ist bekannt, dass wir ca. 10x mehr Vitamin D brauchen als bisher beknant. Ein simpler Rechenfehler.
Das bedeutet: die Regulation des Calciums ist bei 10facher Dosierung (7000-8000 IE täglich statt 800 IE täglich wie bisher = bis 2014 bekannt) von 25-OH-D3 völlig anders, und zwar
a) biochemisch und
b) genetisch
c) regulatorisch rückwirkend auf Ca, Parathormon und Calcitonin (hormonelle Regelkreise)
Diese Punkte werden zu wenig beachtet und sind eigentlich nur Insidern bekannt. Denn: es gibt aktuell 7 verschiedene Vitamin-D-Formen. auch die Regulation und Regelkreise funktionieren anders, wenn die Dosis erhöht wird.
Wie wirkt sich das genau auf den Calciumhaushalt aus?
Das ist gar nicht wirklich bekannt und erforscht worden.
Man weiß eben nur, dass die groß angelegten Kohortenstudien zum Vitamin D keine toxischen Auswirkungen haben bei Spiegeln bis 250 ng/ml (Literatur und Grafiken s. zb. bei grassrootshealth.net oder ). Dafür waren in manchen Fällen bis zu 50000 IE täglich erforderlich.
Silizium als Kieselsäure ist ein Calcium-Schlepper und hat auch in Verbindung zum Phosphat interessante Eigenschaften (s. meine anderen Beiträge).
Vitamin K2 hat durch Osteocalcin- und Matrix GLA-(Matrix γ-Carboxyglutaminsäure) induzierende Faktoren (–> Grad der Carboxylierung) ebenfalls Ca-Transporteigenschaften.
Im Standardwerk des bekannten Mediziners Siegfried Rilling (Kompendium der Mineralstoffe und Spurenelemente, 1993) ist darüber mehr nachzulesen, insbesondere die Wahrnehmung, dass dieses Thema bei weitem nicht ausdiskutiert und ausgereizt scheint.
Die Bedeutung der drei genannten Punkte war damals auch noch nicht so populär bekannt wie heute und ist vermutlich auch forschungsgetrieben aus den Befunden entstanden, dass Calcium in seiner Bedeutung unterschätzt und fehlinterpretiert worden ist bzw. nur von ‚Gewebsverkalkungen‘ gesprochen wird und per se als ’schlecht‘ bezeichnet wurde.
Diese voreilige schlussfolgerung erscheint mir falsch zu sein und in bezug auf die neueren Forschungen zum Vitamin D relativierungswürdig.
Es sind vielmehr die Tranporter un der gesamte Stoffwechsel, die hier unter Beachtung individueller Lebensbedingungen neu bewertet werden müssten.
Insbesondere die Beobachtung der ‚klassischen‘ Tetanie zeigt, dass ein Calciummangel eigentlich weit verbreitet ist, aber praktisch selten bis nie berücksichtigt wird, wenn es um Muskelkrämpfe, Herzstolpern und den Säure-Basen-Haushalt geht.
Das bedarf einer dringenden Überprüfung unter Einbeziehung einer rekursiv integrativen Medizin, die diesen Namen auch verdient.
Allerdings gibt es hier Einschränkungen, die nie außer Acht gelassen werden dürfen.
Ca ist nicht selten in der Erdkruste (ein Mangel sollte daher selten sein, könnte man annehmen)
Ca-phosphate sind unlöslich (vor allem in nicht-kolloidaler bzw. nicht chelatisierter Form!)
Auch Ca-oxalate können Steinbildung im Körper mitverursachen (s. dazu meinen Beitrag zu Steinbildung).
Die Fehlverteilung zwischen Gefäßen und Knochen ist nicht instantan zu ändern
Hormonhaushalt und Grundumsatz bestimmen die Verteilung im Körper mit
Die Eigenschaften von Ca können zur Alterung beitragen – dann, wenn eine lokale Ansammlung unlöslicher Calciumverbindungen aus verschiedenen Gründen geschehen ist oder aufgrund von Minderversorgung mit Vitamin D und Silizium sowie Vitamin K2 entwickelt worden ist
Hier gibt es noch sehr viel Klärungsbedarf, der zeigen sollte, ob eine Calciumzufuhr unter Beachtung der vielen ‚Cofaktoren‘ wirklich eine Verkalkung verursacht oder nicht.
Die daraus entstehenden Überlegungen einer optimalen Calciumzufuhr mit geeigneten Präparaten in der biochemisch individuell ‚richtigen‘ Dosis ist eine Aufgabe der Orthomolekularmedizin, die Insidern vielleicht bekannt ist – der Allgemeinheit aber nicht.
Eine Zufuhr kann sich zwischen etwa 800 mg und 2500 mg bewegen – in Einzelfällen auch mehr. ABER: Monopräparate werden in größerer Menge nicht gut verstoffwechselt (meine persönliche Erfahrung).
Eine besondere Rolle spielt hier der Calciumstoffwechsel unter dem Einfluss von elektromagnetischen Feldern oder ‚Elektrosmog‘ (Öffnen von Calciumkanälen, s. M. Pall), mangelnder Bewegung und etwa einem Mangel an Vitamin C.
Fazit
Eine Bekämpfung einer Osteoporose mittels Calciumbrausetabletten ist genau so kurz gegriffen wie das Verbot einer Calcium-Zufuhr bei bekannter Arteriosklerose und gleichzeitig vorliegender verminderter Knochendichte (wobei diese nur oberflächlich gemessen wird und die Spongiosa gar nicht korrekt zu erfassen vermag).
Ein großes und weiter ungelöstes Problem ist der ungehemmte Konsum digitaler Medien und die damit verbundene Elektrosmogbelastung.
Es gibt KEINE eindeutige Pauschal – Empfehlung aufgrund der großen biochemischen Individualitätsunterschiede; gleichwohl macht in vielen Fällen eine Calciumzufuhr – etwa als Chelat und in kombination mit Vitamin D3, K2 und Silizium – Sinn, denn das hat gleichzeitig Einfluss auf das Stresslevel und damit auch den Calciumstoffwechsel.
Literatur (Auswahl):
1. S. Rilling, Kompendium der Mineralstoffe und Spurneelemente, Haug 1993.
2. Pall ML. Central Causation of Autism/ASDs via Excessive [Ca2+]i Impacting Six Mechanisms Controlling Synaptogenesis during the Perinatal Period: The Role of Electromagnetic Fields and Chemicals and the NO/ONOO(-) Cycle, as Well as Specific Mutations. Brain Sci. 2024 Apr 30;14(5):454. doi: 10.3390/brainsci14050454. PMID: 38790433; PMCID: PMC11119459. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/38790433/
3. Pall ML. Low Intensity Electromagnetic Fields Act via Voltage-Gated Calcium Channel (VGCC) Activation to Cause Very Early Onset Alzheimer’s Disease: 18 Distinct Types of Evidence. Curr Alzheimer Res. 2022;19(2):119-132. doi: 10.2174/1567205019666220202114510. PMID: 35114921; PMCID: PMC9189734. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/35114921/
4. https://bruno-kugel.de/vitamin-d3-k2-und-silizium-studienlage-und-zusammenhaenge/ und dort zitierte Literatur
5. Explizit: Patrick J. McCullough, Douglas S. Lehrer, Jeffrey Amend,
Daily oral dosing of vitamin D3 using 5000 TO 50,000 international units a day in long-term hospitalized patients: Insights from a seven year experience,
The Journal of Steroid Biochemistry and Molecular Biology, Volume 189, 2019, Pages 228-239, ISSN 0960-0760, https://doi.org/10.1016/j.jsbmb.2018.12.010.
https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0960076018306228
5. https://bruno-kugel.de/silizium-und-knochenstoffwechsel/ und dort zitierte Literatur



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